Die blauen Feuer im Ijen-Krater

Die blauen Feuer im Ijen-Krater

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Reinhold Schrank

 

Reinhold Schrank war im September drei Wochen in Indonesien. Er erzählt uns heute von seinem unglaublichen Besuch am Ijen-Krater.

 

 

 

Auf der Suche nach dem blauen Feuer

Im September war ich drei Wochen in Indonesien unterwegs. Hauptsächlich um Motive für meine Leidenschaft, die Naturfotografie, zu suchen. Eines der Highlights sollten die „blauen Feuer“ im Ijen-Krater, einem aktiven Schwefelvulkan, sein. Die sogenannten „blauen Feuer“ sind Schwefelgase, die sich an der Luft entzünden und blau brennen.

Die fotografische Ausbeute dieser Feuer war sehr bescheiden. Trotzdem möchte ich, auch wenn ich da nicht von Naturfotografie rede, diese Erfahrung möglichst vielen Menschen zukommen lassen.

Nicht geglaubt hätte ich, dass genau diese Tour mich von allen „Highlights“ meiner Reise am tiefsten beeindruckt hat!

 

Anstrengender Aufstieg

Wir starteten um Mitternacht mit dem Auto zum Ausgangspunkt des Gehweges zum Krater des Ijen Vulkans. Andere Touristen hatten sich bereits eingefunden. Der staubige, teilweise steinige Weg führte ca. drei Kilometer steil bergauf zum Kraterrand. Unterwegs trafen wir schon sehr viele „Miner“ (Bergarbeiter, in Ijen auch Schwefelstecher genannt), die unterwegs zu ihrem Arbeitsort waren um Schwefel aus dem Krater zu holen. Wir hatten keine Ahnung was uns erwarten wird.

Der Aufstieg mitten in der Nacht war extrem anstrengend und ging an die körperliche Belastungsgrenze vieler Touristen. So auch an die meiner drei Begleiter Sonja, Karl und Fred. Endlich erreichten wir den auf 2.350 m Seehöhe gelegenen Kraterrand. Nach Schwefel stinkender, ätzender Rauch stieg aus dem Krater hoch. Meine Freunde entschieden sich, aufgrund des gefährlichen Weges, nicht hinunter zum Kratersee zu gehen.

Unser Guide hatte Atemschutzmasken für uns vorbereitet. So machte ich mich mit dem Guide auf den Weg. Einige hundert Höhenmeter ging es hinunter in den Krater. Das Gelände war einem Klettersteig ähnlich – nur ohne irgendwelche Sicherungen. Der rutschige Untergrund machte das Ganze noch schwieriger. Viele Touristen kehrten schon auf halben Weg um. Mein Guide brachte mich aber sicher ans Ziel.

blaues Feuer
Wir waren auf der Suche nach dem blauen Feuer. Auf das, was wir dann sahen, waren wir nicht vorbereitet. Unvorstellbar, dass das ein Arbeitsplatz ist.

im Krater

 

 

Unmenschliche Bedingungen

Was ich da unten erlebte, ist mit Worten kaum zu beschreiben. Unter widrigsten Bedingungen, ohne Atemschutz, mit Flipflops oder Gummistiefel als Schuhwerk, ohne wesentliche Hilfsmittel, brechen die jungen Männer die Schwefelbrocken aus dem Hang. Lediglich Eisenstangen dienen als Werkzeug. Immer wieder stieg Schwefeldampf auf und zwang mich die brennenden Augen fest zu schließen.

Auf dem Rückweg hinauf zum Kraterrand kamen mir immer wieder die „Miner“ entgegen. Siebzig, achtzig Kilogramm schwere Schwefelbrocken tragen diese Männer mit Traggestellen auf den Schultern den steilen Weg den Krater hinauf und dann wieder drei Kilometer hinunter ins Tal.

 

der harte Weg nach unten
der harte Weg nach unten
gefährliches Schuhwerk für einen anstrengenden Job unter widrigsten Bedingungen
Die Schwefelbrocken sind sehr schwer und ungesund. Unglaublich, wie sehr sich die Miner täglich anstrengen müssen.

 

Der karge Lohn reicht gerade aus, um die Familie zu ernähren. Für gute Schuhe reicht es wohl nicht mehr – und das ist schon seit vielen Jahren so, wie eine sehr beeindruckende Reportage des ZDF zeigt.

Wenn ich bedenke, dass einige „tüchtige Geschäftsleute“ oder Aktionäre mit dem Ertrag des Rohstoffes zu Millionären werden, stimmt mich das schon sehr bedenklich …

 

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