Interview mit Julia Altpfart

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Zu Julia Altpfarts bevorzugtem Genre hat sich die Wildtierfotografie entwickelt. Lest selber nach was sie uns im Interview geantwortet hat.

 

 

 

 

 

 

Julia Altpfart, wie bist du zur Fotografie gekommen und wann hast du bemerkt, dass die Naturfotografie mehr für dich ist als nur ein Hobby?

Ich habe, seit ich mich erinnern kann, immer wieder eine kleine Digitalkamera oder die Spiegelreflex meiner Mama ausgeborgt. Damals, um Tiere im Tierpark zu fotografieren. Später habe ich mir eine kleine Spiegelreflexkamera gekauft und mir mithilfe von Videos die Basics beigebracht. Dann nahm ich sie auf die verschiedensten Reisen mit. Es war für mich ein besonderes Gefühl, meine Erlebnisse festhalten zu können und alles, was ich zuvor über das Fotografieren gelernt hatte, auch wirklich anwenden zu können. Ich habe dabei schnell bemerkt, dass Fotografie mir oft ein echtes Glücksgefühl gibt und mir hilft, meine restlichen Gedanken für einen Moment auszublenden.

Dann stand für mich fest, dass das etwas ist, das ich unbedingt weitermachen will. Am Anfang nur mit dem Gedanken, es für mich wie ein Tagebuch auf Social Media zu teilen. Irgendwann habe ich bemerkt, dass ich mehr wissen und andere Sparten der Fotografie kennenlernen will, und habe meine Ausbildung zur diplomierten Fotografin gemacht.

 

(c) Julia Altpfart

 

Wie findest du die Balance zwischen dem perfekten Bild und dem respektvollen Umgang mit Tieren und Landschaften?

Um ehrlich zu sein, ist das gar nicht so einfach zu beantworten. Es gibt viele unterschiedliche Wege, um an ein Foto zu kommen. Fragen, die ich mir dabei stelle, sind: Wie kann ich die Natur genießen, ohne ihr noch mehr zu schaden? Wie kann ich ein Tier so wenig wie nur möglich oder am besten gar nicht beeinflussen? Für mich ist es wichtig, diese Fragen immer, wenn ich rausgehe, im Hinterkopf zu behalten. Am Ende des Tages höre ich auf mein Bauchgefühl und auf das, was ich bisher über das Verhalten von Tieren gelernt habe. Oft habe ich mich deshalb schon gegen das perfekte Foto entschieden, wenn es unnötigen Stress für ein Tier oder die Natur bedeutet hätte. Es können immer wieder Fehler passieren und Situationen falsch eingeschätzt werden, aber ich versuche, daraus zu lernen und mein Bestes zu tun, mit meinen Fotos einen positiven Mehrwert zu schaffen, der nicht auf Kosten der Natur oder ihrer Bewohner gehen darf.

 

 

Wie bereitest du dich auf eine Fototour in der Natur vor – sowohl technisch als auch mental?

Meist habe ich für längere Fotoreisen eine Ideenliste. Damit präge ich mir ein, welche Ideen ich gerne umsetzen will, und versuche, sie dann im Hinterkopf zu behalten. Wie viel ich davon am Ende wirklich umsetzen kann, liegt jedoch meist nicht in meiner Hand. Technisch schaue ich natürlich, dass mein Equipment vorbereitet ist und ich alles dabeihabe, was ich brauche. Meistens vergesse ich trotzdem mindestens eine Sache, manchmal auch mehrere. Mental versuche ich, offen zu bleiben und mich nicht zu sehr an einer bestimmten Vorstellung festzuhalten, weil man in der Natur vieles einfach nicht erzwingen kann.

 

 

 

Welche Rolle spielt Geduld in deiner Arbeit – und wie gehst du mit Situationen um, in denen ein Motiv sich einfach nicht zeigen will?

Geduld ist eine der wichtigsten Eigenschaften in der Wildtierfotografie. Vor allem auch, zu lernen, dass man die Natur einfach nicht beeinflussen kann und soll. Je öfter man rausgeht, desto öfter wird man auch Glück haben, etwas zu sehen. Dennoch ist es immer wieder entmutigend, wenn man zum wiederholten Mal versucht, etwas zu finden, und es einfach nicht sein will. Für mich heißt es dann meist: Einfach wieder versuchen, bis es irgendwann gelingt, und trotzdem die Zeit draußen zu genießen, auch wenn es nicht so läuft, wie man es gerne hätte.

 

 

Gibt es ein bestimmtes Foto oder ein Erlebnis in der Natur, das dir besonders im Gedächtnis geblieben ist und warum?

Als ich letztes Jahr mit Schwertwalen schwimmen und sie fotografieren konnte, ist für mich einer meiner schönsten Träume in Erfüllung gegangen. Diese unglaublichen Tiere hautnah erleben und beobachten zu dürfen, war für mich unvergesslich. Auge in Auge mit einem so einzigartigen Tier zu sein, ist für mich etwas unbeschreiblich Schönes. Es ist eine komplett andere Welt, in die man eintaucht und von der man für einen kurzen Moment ein Teil sein darf.

 

 

(c) Julia Altpfart

 

Welche Herausforderungen begegnen dir als Naturfotografin am häufigsten, und was hast du daraus gelernt?

Oft begegnen mir Menschen, die, ohne wirklich hinzusehen, durch die Stadt gehen und gar nicht wahrnehmen, was direkt vor ihrer Nase alles sprießt und lebt. „Was fotografieren Sie denn da?“ höre ich dabei am häufigsten. Wenn ich dann antworte, dass nur ein paar Meter weiter ein Tier sitzt, sind die meisten überrascht, dass sie es selbst nicht entdeckt hätten. Diese Art des Sehens muss aktiv geschehen und geübt werden – etwas, für das im Alltag oft der Blick verloren geht. Daraus ergeben sich viele Schwierigkeiten im Umgang zwischen Mensch und Natur. Der Spruch „Was man nicht kennt oder sieht, schützt man nicht“ begleitet mich gerade deshalb schon seit geraumer Zeit.

 

Inwiefern beeinflussen soziale Medien deine Arbeit – Inspiration, Druck oder Chance?

Social Media ist eine tolle Art, sich mit Menschen zu vernetzen, die ähnliche Interessen haben, und sich, wenn man es bewusst nutzt, auch Inspiration zu holen. Trotz vieler positiver Aspekte, die es haben kann, bringt es auch viel Negativität, gekünstelten Perfektionismus und ja, auch Druck mit sich. Mir wurde schnell bewusst, dass online oft nicht nur Qualität, sondern auch Quantität entscheidend ist, um auf Plattformen erfolgreich zu sein. Nun versuche ich, für mich die beste Lösung dazwischen zu finden, ohne mich und meine Werte zu verlieren.

 

Julia Altpfart, gibt es Fotograf:innen, die dich geprägt oder inspiriert haben?

Meine fotografischen Vorbilder sind in jedem Fall Cristina Mittermeier und Paul Nicklen. Zwei Fotograf:innen, bei denen ich bei jedem Bild staune, die schon so viel gesehen und sich für so viel eingesetzt haben. Beide sind Biologen, National Geographic-Fotograf:in und Naturschützer:in mit ihrer eigenen Naturschutzorganisation Sea Legacy. Einfach alles, was sie machen und erreicht haben, fasziniert und motiviert mich. Es ist auch etwas, das ich selbst anstrebe: Bilder zu schaffen, die nicht nur schön sind, sondern Menschen wirklich berühren und einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

 

 

Was macht für dich ein wirklich starkes Naturfoto aus – Technik, Emotion oder Geschichte?

Emotion. Es ist fast immer die Emotion, die ein Foto bereits in der ersten Sekunde in mir auslöst. Die Geschichte kommt dann, wenn mich das Bild abgeholt hat. Technik interessiert mich meist weniger, mit ein paar Ausnahmen – nämlich dann, wenn ich mich wirklich frage, wie es überhaupt möglich war, so ein Bild zu schaffen. Oft passiert mir das bei Unterwasseraufnahmen oder ganz speziellen Tieraufnahmen.

 

 

Welches Motiv reizt dich besonders oder auch gerade, weil du es noch nicht vor der Linse hattest?

Besonders reizt mich fotografisch im Moment der Wolf. Durch meine Diplomarbeit habe ich mich intensiv mit dem Wolf in Österreich auseinandergesetzt. Er war schon seit langer Zeit, wie ich immer sage, mein „Lieblingstier an Land“. Schnell wurde mir bewusst, wie viele Vorurteile und Mythen es rund um den Wolf in Österreich noch gibt. Damit war für mich klar: Ich will mich dieser Thematik fotografisch annehmen und mich auch inhaltlich intensiver damit auseinandersetzen. Seitdem war ich in Deutschland, Österreich, Polen, Georgien, Finnland und Kanada unterwegs und habe versucht, Wölfe zu finden. In den meisten Fällen ohne Erfolg. Gerade deshalb will ich unbedingt weiter versuchen, Wölfe in freier Wildbahn zu sehen, und mich so gut ich kann für ihren Schutz einsetzen.

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