Interview mit Manuel Gruber

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Der Tiroler Manuel Gruber stand uns für ein Interview bereit, die Wildtierfotografie ist seine große Leidenschaft.

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie hat deine Leidenschaft für die Naturfotografie begonnen, und was hat dich ursprünglich dazu inspiriert, diesen Weg einzuschlagen?

 

Meine Leidenschaft für die Natur und Fotografie begann schon als Kind. Zur Erstkommunion bekam ich meine erste kleine Digitalkamera. Da mein Vater viel in der Natur unterwegs war und ich ihn schon als kleiner Bub begleiten durfte, war ich früh von der Tier- und Pflanzenwelt fasziniert. Mit der Zeit wurde die Kameraausrüstung besser und aus der anfänglichen Begeisterung entwickelte sich eine echte Leidenschaft. Mit der Wildtier- und insbesondere Vogelfotografie, wie ich sie heute betreibe, beschäftige ich mich seit rund zehn Jahren. Meine Frau Anna teilt diese Leidenschaft mit mir – gemeinsam streifen wir durch die Tiroler Wälder. In den vergangenen Jahren haben wir unsere Erlebnisse auch filmisch dokumentiert und sind als „WildlifeDUO Gruber“ unterwegs.

 

 

Was zeichnet für dich ein gelungenes Tier- bzw. Wildlifefoto aus? Wo liegen die Herausforderungen?

 

Ein gelungenes Tierfoto muss für mich nicht immer technisch perfekt sein. Natürlich kann ein formatfüllendes Portrait mit beeindruckender Schärfe und vielen Details faszinieren – besonders, wenn es gelingt, einem wilden Tier ganz nah zu kommen, ohne es zu stören. Noch spannender finde ich aber Bilder, die den Betrachter:innen Raum für eigene Entdeckungen und Interpretationen lassen. Leicht verschwommene, träumerische oder stark reduzierte Aufnahmen können oft mehr erzählen, als ein perfektes Portrait. Genau diese kreative Umsetzung ist zugleich die größte Herausforderung – und macht für mich ein außergewöhnliches Wildlife-Foto aus.

 

Hast du bestimmte Plätze oder Orte, die du immer wieder gerne aufsuchst und uns verraten möchtest?

 

Wir lieben es, direkt vor der Haustür zu fotografieren – im erweiterten Sinne also die Tiroler Tierwelt. Nach vielen Jahren kennt man die passenden Plätze für unterschiedliche Motive und Jahreszeiten und kehrt immer wieder dorthin zurück. Gerade das finde ich spannend: Ein und dasselbe, vielleicht sogar häufige Tier lässt sich je nach Licht, Jahreszeit, Umgebung und Perspektive immer wieder völlig neu darstellen. Gleichzeitig sind wir große Fans des Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel, wo wir schon viele wunderschöne Begegnungen mit der artenreichen Vogelwelt erleben durften.

Die Vogelfotografie liegt dir besonders am Herzen. Warum gerade die Vogelfotografie?

 

Vögel faszinieren mich durch ihre unglaubliche Vielfalt. Ihr Aussehen, ihre Verhaltensweisen und Gesänge sind so unterschiedlich und jeder Vogel besitzt seinen ganz eigenen Charakter. Dabei muss es nicht immer eine seltene Art sein – auch häufige, kleine oder große Vögel können fantastische Fotomotive bieten. Besonders schön ist, dass man ihnen fast überall begegnen kann: im eigenen Garten, im Wald, im Tal oder hoch oben in den Bergen. Jedes Habitat eröffnet neue Möglichkeiten und damit immer wieder neue Blickwinkel für spannende Bilder.

 

 

Welches Motiv reizt dich besonders – auch gerade, weil du es noch nicht vor der Linse hattest?

 

Mich reizen vor allem Motive, die eine besondere Herausforderung mit sich bringen. Das kann ein sehr scheues Tier sein, aber genauso eine Art, für die man mit schwerer Ausrüstung mehrere hundert Höhenmeter auf sich nehmen muss. Besonders spannend sind für mich Motive, mit denen eine Geschichte oder ein Erlebnis verbunden ist. Natürlich gibt es auch einige Wunschmotive, die ich noch nicht so umsetzen konnte, wie ich es mir vorstelle – etwa einen Luchs in seinem natürlichen Habitat, einen Steinadler in einer besonderen Situation oder einen Hirsch bei außergewöhnlichem Licht. Gerade diese unerreichten Motive halten die Leidenschaft lebendig.

Wenn es nicht die Tier- bzw. Vogelfotografie ist, mit welchen anderen Motiven setzt du dich noch auseinander?

 

Ich fotografiere fast ausschließlich Wildtiere und Vögel. Wenn gerade kein Tier zu sehen ist, entstehen mit dem Teleobjektiv aber auch gerne einmal Landschaftsausschnitte, sofern die Umgebung etwas Besonderes hergibt. Spannend finde ich außerdem die Makrofotografie – etwa Pilze, Flechten oder kleine Details, die erst durch die Vergrößerung sichtbar werden. Leider widme ich mich diesem Bereich noch viel zu selten. Durch unsere kleine Tochter ist im letzten Jahr außerdem die Menschenfotografie wichtiger geworden: Neben gelegentlichen Hochzeiten fotografiere ich besonders gerne unser kleines Mädchen beim Spielen oder in natürlichen Portraits. Diese Bilder sind für mich auch persönlich von unschätzbarem Wert.

 

 

Wie hat sich dein Blick auf die Natur verändert, seit du sie durch die Linse betrachtest?

 

Durch die Fotografie nimmt man die Natur viel bewusster wahr. Beim Wandern hält man ständig Ausschau nach Tieren, achtet auf Spuren, Kot, Trittsiegel oder kleinste Veränderungen in der Umgebung. Der Blick wird dadurch immer geschärfter und sensibler für Details, die viele Menschen wahrscheinlich gar nicht wahrnehmen. Gleichzeitig wächst mit den Jahren das Wissen über Verhalten, Vorkommen, bevorzugte Einstände und Lebensräume. Man sieht die Natur dadurch nicht nur anders – man beginnt, sie immer besser zu lesen und zu verstehen.

 

 

Alle Fotos wurden von Manuel Gruber gemacht und sind urheberrechtlich geschützt.

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