Lebendiges Patagonien

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Unberechenbares Wetter, vom Wind geformte Bergketten, Farben, wie aus dem Malkasten….das waren meine Vorstellungen von Patagonien, der Landschaft am „Ende der Welt“. Genau das und noch viel mehr erwartete mich und machte meine Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis.

 

Fitz Roy

Ich weiß noch genau, wie es dazu gekommen ist, dass ich mich in diese Gegend verliebte. Jedes Mal, wenn ich in den vergangenen Jahren im Internet gestöbert habe und mir ein begeistertes „Ohhhh“ entfleuchte, war es sicher ein Bild aus Patagonien. Und so entstand der unbändige Wunsch: Dort muss ich hin! Da ich zeitlich nicht wirklich flexibel sein konnte und sich keine Möglichkeit ergab, mich jemandem anzuschließen, startete ich mein Abenteuer Ende Februar 2015 alleine. Drei Wochen mit Zelt und Mietwagen durch den Süden Amerikas!

 

Lichtpunkte

 

Patagonien – das Abenteuer beginnt

Von Punta Arenas aus ging es nordwärts zuerst in den Torres del Paine Nationalpark. Von dort weiter über die argentinische Grenze nach El Calafate und zum berühmten Perito Moreno Gletscher. Und als letzte Station nach El Chalten, dem berühmten „Bergsteigerdorf“ am Fuße des Fitz Roy Massivs. Aber nicht nur die Landschaften standen im Brennpunkt meines Interesses, auch erhoffte ich mir die eine oder andere Tierbeobachtung. Eine Hoffnung, die nicht enttäuscht wurde.

Der Torres del Paine Nationalpark empfing mich standesgemäß mit sintflutartigen Regenfällen, Windböen jenseits der 100km/h und … einem platten Reifen, der dank Hilfe von Einheimischen schnell gewechselt werden konnte. Die ersten Nächte war nicht daran zu denken, ein Zelt aufzubauen. So schlief ich im Kofferraum meines Mietwagens und war zum Warten verdammt. Kurz keimten in mir einige Fragezeichen auf, ob es denn wirklich ein gute Idee gewesen sei, sich diesem „Wetterwahnsinn“ freiwillig auszuliefern. Doch bereits als ich die ersten Sonnenlücken für Streifzüge nutzen konnte, gab es keinen Zweifel mehr: Es WAR die richtige Entscheidung. Allein der Gebirgsstock des Paine Massivs ist von solcher Schönheit, dass es einem fast den Atem raubt, steht man direkt davor.

 

Die ersten Tierbegegnungen in Patagonien

Auch die ersten, mir fremden, Tiere ließen sich blicken: Nahe der Straße pickten einige Ibisse ihre Nahrung aus dem Boden und in der Ferne konnte ich die ersten Guanacos sehen.

Die absolute „Über-Drüber-Begegnung“ hatte ich aber mit einem Fuchs. Vielleicht auch deswegen so besonders, weil ich bis zu dem Zeitpunkt noch nie einen in der Wildnis gesehen hatte und überhaupt nicht damit rechnete. Ich war gerade dabei, einen Teil des Rio Paine, der sich durch den Nationalpark schlängelt, ins Visier zu nehmen, als es hinter mir laut raschelte. Ich blickte mich um und sah gerade noch ein braunes „Etwas“ hinter dem Busch verschwinden. Schnell holte ich mein Teleobjektiv aus dem Rucksack und hielt vorsichtig Nachschau. Und tatsächlich … ein Fuchs beäugte mich mindestens genauso neugierig, wie ich ihn. Vorsichtig begab ich mich in Bauchlage und war vor lauter Aufregung kaum imstande, die Kamera ruhig zu halten. Schlussendlich gelangen aber doch ein paar Aufnahmen, bevor sich der Kerl wieder trollte und mich mit erfülltem Herzen zurück ließ.

Fuchs

 

Weiterfahrt nach Argentinien

Die Weiterfahrt nach Argentinien durch großteils menschenleere Pampa gestaltete sich dann ereignisreicher als gedacht. Was nicht nur daran lag, dass das Fehlen einer auf meiner Landkarte eingezeichneten Tankstelle meinen Adrenalinspiegel ordentlich in die Höhe schnellen ließ. Erstens versüßten mir Regenbögen in voller Pracht den langen Weg und zweitens ergaben sich auch am Straßenrand interessante Tierbegegnungen. Der Vorteil, wenn du alleine unterwegs bist: Du kannst so oft und lange stoppen wie du willst und erntest dafür keine genervten „Mein-Gott-was-siehst-du-denn-nun-schon-wieder“-Blicke.

Ein vorbeihuschender Schatten im Rückspiegel ließ mich am Straßenrand anhalten und mit der Kamera bewaffnet das Pampasgras am Straßenrand durchstreifen. Ich staunte nicht schlecht, als ich plötzlich ein Gürteltier erspähte, das zielstrebig seines Weges ging. Ich überholte es in gehörigem Respektabstand, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Dann legte ich mich bäuchlings direkt in den Weg, den ich hoffte, dass es einschlagen würde. Das Ergebnis: Aug in Aug mit dem Gürteltier, das mich kurz musterte und dann unbeirrt seinen Weg fortsetzte.

 

 

Ein anderes Mal waren es kämpfende Aguilas, die mich in den Straßengraben hüpfen ließen. In dem Streit ging es wohl um einen totgefahrenen Hasen bzw. wer sich als erstes an diesem bedienen durfte. Eine Wiesenlerche leistete mir bei der Jausenpause Gesellschaft.

 

Die Klassiker

Die Ankunft in El Chalten war dann weit weniger spektakulär. Dichte Wolken verhüllten den Blick auf die Berge und heftige Regengüsse trugen nicht gerade zu Freudenausbrüchen bei. Doch gut Ding braucht eben Weile und die Fotografin Geduld. So konnte ich in den folgenden Tagen noch die „Klassiker“ wie Laguna Torre, Laguna Capri und Laguna de los Tres besuchen. Besonders der morgendliche Aufstieg zu letzterer wird mir ewig in Erinnerung bleiben. Nach einer frostigen Nacht im Zelt, in der sogar einige Schneeflocken ihren Weg auf die Erde fanden, war der Weg so rutschig, dass es mehr einem „Hinaufkriechen“ gleich kam und ich ständig Angst hatte, den Sonnenaufgang zu verpassen (was sehr schade gewesen wäre)

 

 

Beim Abstieg erwartete mich noch ein weiteres Highlight: Zuerst fiel mir eine Gruppe von Touristen auf, die laut gestikulierend Handys und Kameras in Richtung der Baumkronen streckten. Als ich näher kam, sah ich gerade noch zwei Magellanspechte das Weite suchen … kein Wunder bei dem Wirbel. Die Menge löste sich auf, aber ich dachte mir: „Die kommen sicher wieder“ und behielt recht. Nachdem ich meinen Rucksack abgesetzt und es mir auf einem Baumstumpf in leichter „Deckung“ bequem gemacht hatte, gaben sie sich auf genau demselben Platz ein erneutes Stelldichein. Herr Magellanspecht war etwas scheu, aber der Dame war meine Anwesenheit völlig egal, im Gegenteil. Es schien, als würde sie nur für mich extra posieren.

 

Magellanspecht

Auch bei „Schlechtwetterspaziergängen“ im Tal musste ich nicht auf gefiederte Begleitung verzichten. Mal war es eine Grasmücke, die sich an Calafatebeeren labte, mal ein stachelschwänziger Rayadito, der mit lautem Gesang durchs Unterholz hüpfte.

 

 

Die Tage in Patagonien vergingen wie im Flug. Täglich neue Tiere, Lichtstimmungen, Eindrücke und viel zu früh hieß es wieder Abschied nehmen. Ich bin sicher, jeder der diese Gegend schon einmal besucht hat, will immer wieder hierher zurück. Und genauso geht es mir: Patagonien, wir sehen uns wieder!

 

Alle Fotos in diesem Beitrag hat Barbara Seiberl-Stark gemacht und sind urheberrechtlich geschützt!

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